Die Bindungstheorie stellt ein umfassendes Modell zum Verständnis menschlicher Bindungen und ihrer Bedeutung für das psychische Wohlbefinden zur Verfügung (Schmidt & Strauß, 1996). Sie wurde zunächst von Bowlby und Ainsworth konzipiert (vgl. Bowlby, 1975; Ainsworth et al., 1978) und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt (Spangler & Grossmann, 1995). Ein Aspekt ist dabei die Auswirkung von bestimmten Lernerfahrungen mit wichtigen Bezugspersonen auf den individuellen Bindungsstil, der für das Erleben und Verhalten in nahen Beziehungen kennzeichnend ist. Innerhalb der klinischen Psychologie ist aus diesem Grund ein wachsendes Interesse an der Bindungstheorie festzustellen (Schmidt & Strauß, 1996). Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist eine möglichst klare und aussagekräftige Diagnostik des Bindungsstils. Die vorliegende Arbeit ist daher der Entwicklung von bindungsdiagnostischen Skalen gewidmet, die sich im klinischen Kontext zum Routinemonitoring, für Verlaufsuntersuchungen sowie zu Forschungszwecken einsetzen lassen. Der 30 Items umfassende und nachfolgend vorgestellte Fragebogen erlaubt darüber hinaus eine Klassifikation des Bindungsstils im Sinne des Vierkategorialen Modells nach Bartholomew und Horowitz (1991).
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Mit dieser Untersuchung soll exploriert werden, ob in Abhängigkeit von der Zugehörigkeit der ProbandInnen zu einem Bindungsstiltyp unterschiedliche Erfahrungen in der Bonding-Therapie gemacht werden.
Durch die Nähe-Übungen werden die Bindungsmuster und repräsentanzen gezielt prozessual aktiviert. In der Evaluation von Bonding-Therapie-Sequenzen fand Mestel (1999) Tendenzen, dass im Vergleich zu den anderen Bindungsstilen (nach Bartholomew & Horowitz, 1991) eher ängstlich-vermeidend gebundene TeilnehmerInnen besonders von dem Workshop profitierten: Auf Grund dieser Ergebnisse wurde vermutet, dass die Näheübungen für TeilnehmerInnen mit ängstlich-vermeidendem Bindungsstil, im Vergleich zum anklammernden Bindungsstil, viel stärker Veränderungen hervorrufen würden. Durch diese Studie soll untersucht werden, ob bei verschieden gebundenen TeilnehmerInnen wirklich unterschiedliche bindungsspezifische Themen beim Bonding aktiviert werden, und ob es Unterschiede gibt im Grad der empfundenen emotionalen Sicherheit, der erlebten Intensität der Erfahrungen und der subjektiv eingeschätzten Wirksamkeit der Bonding-Therapie für sich selbst, in Abhängigkeit zum Bindungsstil.
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In dieser Arbeit soll der Fragestellung nachgegangen werden, ob Zusammenhänge zwischen der Veränderungen des SASB-IntrojektNormalfall und den Veränderungen der Bindungsstile bestehen.
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Am Dan Casriel Institut, geleitet von Dr. med. Ingo Gerstenberg, Facharzt für psychotherapeutische Medizin, wurden fünf psychotherapeutische Intensivphasen des Jahres 1995 hinsichtlich der Veränderungen der Teilnehmer beurteilt. Unter psychotherapeutischen Intensivphasen werden tiefenpsychologisch fundierte Methoden und additive Verfahren wie erlebnisaktivierende Methoden, Familienaufstellungen, verschiedene körperorientierte Therapieformen, Skriptanalyse oder meditative Verfahren verstanden.
Es wurden den Gruppenteilnehmern zu Beginn der Workshops und etwa einen Monat danach Fragebogen zur psychischen Symptomatik (Symptom Checkliste: SCL-90-R) und zu interpersonellen zwischenmenschlichen) Problemen (Inventar zur Erfassung interpersoneller Probleme: IIP) vergeben, die im Laufe des zweiten bis dritten Monats nach Abschluss der Intensivphasen ausgefüllt und zurückgeschickt wurden. Fast kein Teilnehmer nahm zweimal an einer der fünf Intensivphasen teil. Die Messergebnisse beider Zeitpunkte wurden mittels vier verschiedener statistischer Methoden miteinander verglichen und es zeigte sich, daß die allermeisten der 117 Personen zum Nachbefragungszeitpunkt weniger unter psychischen Symptomen, wie z.B. Depressionen, Ängsten, sozialer Unsicherheit oder Zwanghaftigkeit litten. 50-73% der Personen waren zum Nachbefragungszeitpunkt im Symptombereich klinisch relevant gebessert, d.h. sie waren dann in bezug auf die Höhe der Symptomskalen nicht mehr von einer gesunden Vergleichsstichprobe zu unterscheiden. 72% der Patienten zeigten statistisch signifikant weniger generelle Symptombeschwerden über den Zeitverlauf. Im Bereich interpersoneller Probleme ergaben sich insgesamt und in Einklang mit der relevanten Vergleichsliteratur weniger Veränderungen. Zum Nachbefragungszeitpunkt zeigten sich jedoch 68-85% der Teilnehmer als klinisch relevant gebessert. Einerseits gaben die Teilnehmer an, weniger an Problemen mit sozialem Rückzug („Introversion“) zu leiden. Jedoch ergab sich auch, dass einige Personen zum Nachbefragungszeitpunkt mehr Probleme mit „Dominanz“, „Streitsüchtigkeit“ und „Expressivität“ aufwiesen wie vorher. In einer statistischen Detailanalyse konnte jedoch gezeigt werden, dass nur 40% der im zwischenmenschlichen Bereich verschlechterten Teilnehmer gleichzeitig auch im Symptombereich verschlechtert bzw. gleichgeblieben waren. Dieses Ergebnis könnte dahingehend interpretiert werden, dass diese Teilnehmer die genannten Probleme im interpersonellen Bereich nun stärker wahrnehmen und empfinden oder, dass sie (vorläufig) über das Therapieziel (z.B. sich abgrenzen lernen) „hinausgeschossen“ sind und nun vermehrt mit ihrer sozialen Umgebung in Konflikte geraten.
Mit der vorliegenden Pilotstudie liegt somit die erste gruppenstatistische Untersuchung von mehrtätigen psychotherapeutischen Intensivphasen am Dan Casriel Institut vor.
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Am Dan Casriel Institut, geleitet von Dr. med. Ingo Gerstenberg, wurden fünf einwöchige psychotherapeutische Intensivphasen des Jahres 1998 hinsichtlich der Veränderungen der 118 Teilnehmer nach der Behandlung beurteilt. Dazu wurden den Gruppenteilnehmern zu Beginn und etwa drei Monate nach der Gruppentherapie Fragebogen zur psychischen Symptomatik (Symptom Checkliste: SCL-90-R) und zur Beziehungsgestaltung bzw. Qualität der Bindungsstile vergeben. Mit 98 katamnestischen Antwortern wurde eine hohe Rücklaufquote von 83% erreicht. Die postalischen Antworter waren sehr repräsentativ für die Gruppe aller Teilnehmer. Die Mehrzahl der Teilnehmer waren Frauen zwischen 35 und 45 Jahren mit hohem Bildungsniveau. Fast ein Drittel hatten eine depressive Störung als ICD-10 Hauptdiagnose, ein Viertel im weiteren Sinne eine Angststörung, 10% eine somatoforme oder psychosomatische Störung, 6% eine schwere Persönlichkeitsstörung und etwa 15% eine Anpassungsstörung.
Es ergaben sich auf sechs von zehn Symptomskalen statistisch signifikante Unterschiede (p<.05) zwischen den beiden Messzeitpunkten. In fast allen Skalen hatten sich die Teilnehmer in Richtung Normbereich zu bewegt. Kleine Effekte konnten für die Bereiche „Ängstlichkeit, Zwanghaftigkeit, Unsicherheit im Sozialkontakt, globale Symptombelastung“ nachgewiesen werden. Vergleichbar mit der Psychotherapieliteratur erreichte etwa jede fünfte, zu Therapiebeginn testpsychologisch auffällige Person zum Nachbefragungszeitpunkt den Bereich der „Gesunden“, kann folglich als „geheilt“ angesehen werden. 46% der Teilnehmer verbesserten sich in der globalen Symptombelastung in statistisch signifikanter Weise. Im Bereich der zwischenmenschlichen Bindungen ergaben sich relativ gesehen noch etwas bessere Effekte. Die Teilnehmer schätzten sich bei der Nachbefragung eher sicher gebunden und weniger ängstlich-vermeidend gebunden ein. Sie gaben an, in Beziehungen mehr vertrauen zu können, weniger ängstlich zu sein und weniger Verlassenheits- und Näheängste zu besitzen. Weiterhin verbesserte sich das Bild (Modell) von sich selbst stark.
Es konnten einige Unterschiede in der Wirksamkeit der vier Gruppen festgestellt werden, die allerdings schwer zu interpretieren sind. Eher ältere Teilnehmer und solche mit Hauptschulabschluss oder mittlerer Reife profitierten mehr. Stärker auffällige Personen waren zusätzlich in ambulanter Psychotherapie, wodurch sich keine Einflüsse der ambulanten Therapie auf das Ergebnis ergaben. Es bestehen Trends dahingehend, dass eher vermeidend gebundene Personen und solche mit den Diagnosen Anpassungsstörungen und schweren Persönlichkeitsstörungen mehr profitieren. Einige Teilnehmer, die mehr zu Weiterbildungs- bzw. Selbsterfahrungszwecken an den psychotherapeutischen Intensivphasen partizipierten, profitierten genauso viel wie die anderen Personen, vor allem in der Beziehungsgestaltung.
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